Archiv für den Monat: Juni 2015

Wir meißeln ein Leben lang an “unserem Stein”

SklaveOkay, heutzutage von Sklaverei zu sprechen, mag etwas reisserisch klingen. Denn immerhin können wir – in der westlichen Welt zumindest – einige Vorzüge genießen und unser Leben noch relativ autonom bestreiten und einrichten, relativ… Dass es andernorts nicht so aussieht wie bei uns, muss wohl nicht begründet werden!

Viele Menschen fühlen sich auch in der vermeintlich “freien“ westlichen Welt, nicht mehr wirklich frei. Sie fühlen sich in ihren persönlichen Interessen und Initiativen immer stärker eingeschränkt. Zweifellos ist die Welt sehr komplex geworden und die harten Strukturen und Gesetze blocken viele Aktivitäten schon im Ansatz ab. Rechtssysteme zwingen uns unterschiedlichste Hindernisse und Barrikaden auf, die wir nicht wirklich durchschauen können. Sklaverei sehe ich aber viel mehr an einem ganz anderen Ort, als dem von aussen aufgedrängten! All die abstrakten Ideen und Inhalte, die wir uns in unserem Leben schaffen, bilden in uns klare Vorstellungen von der Welt: wie sie zu sein hat und wie nicht. Wir schaffen Prinzipien und zementieren Meinungen. Und von diesen Prinzipien lassen wir uns letztlich mehr versklaven als von allen äußeren Einflüssen, die uns begegnen. Ich persönlich habe nicht mehr so viel Angst vor der „bösen Welt“, die außerhalb von uns wirkt und uns zu Sklaven machen will.  Weiterlesen

Ist Goethes Urpflanze nur eine Idee?

image

Mein letzter Aufsatz über Kunst wird dem Begriff der “Idee” nicht gerecht, wenn ich schreibe, dass viele Kunstprodukte doch “nur” Ideen und deshalb Kopfsache seien. Deshalb möchte ich hier näher darauf eingehen.
Auf die Bemerkung Schillers, dass die “Methamorphosenlehre” doch nur eine Idee sei, antwortete Goethe: „Es soll mir recht sein, wenn ich Ideen habe und sie mit eigenen Augen sehe!“

„Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können, sonst gerät man in ihre Knechtschaft.“ (Rudolf Steiner, Philosophie der Freiheit). Sich der Idee erlebend gegenüberstellen, genau das tat Goethe und deshalb gerät er nicht in ihre Knechtschaft. In der Lehre von der „Metamorphose der Pflanze“, findet er sozusagen als Quintessenz seiner umfassenden Studien die „Urpflanze“. Diese Urpflanze kann Schiller natürlich nicht physisch sehen, niemand kann das, aber er kann sie auch nicht nacherleben. Und deshalb spricht er in geringschätziger Form von einer bloßen Idee. Wenn Goethe aber von der Urpflanze spricht, so hat er dem nicht nur eine „bloße Idee“ zugrunde gelegt, sondern ein Erlebnis! Denn diese Urpflanze ist sozusagen ein begrifflich „sichtbar“ gemachter Prozess. Es ist der Prozess des Wachstums, welcher sich in „andersartiger Gleichheit“ in jeder Pflanze wiederholt. So ist der Begriff der Urpflanze die Zusammenfassung des Wachstumsprozesses, der dem Pflanzenreich innewohnt!  Weiterlesen

Kunst kommt von Kopf

Moderne Kunst“Kunst wird erst dann interessant, wenn wir vor irgend etwas stehen, das wir nicht gleich restlos erklären können”
(Christoph Schlingensief)

“Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen”
(J. W. Goethe)

Alle Jahr wieder – ist ART in Basel. Eine der renommiertesten, wenn nicht DIE Kunstmesse der Welt, ist seit gestern eröffnet. Zeit, sich wieder einmal mit dem Thema auseinander zu setzen. Die Bilder der Werke gleichen sich immer, genauso wie die kuriosen Gestalten, die das Stadtbild Basels erfrischen. Solche und ähnliche Installationen und Performances überwiegen das Geschehen der teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler. Manche inszenieren sich selbst als (nackte) Tatsache auf den Plätzen der Stadt. Zum Glück im Kontext der Kunst, ansonsten würden sie wohl schnell von den hiesigen Ordnungshütern abgeführt. Aber so finden das alle obercool. Sicher, das sind die Ausnahmen, denn das Überwiegende sind, zunehmend, und im weiteren Sinne aufgefasst, “Installationen”. Die Installation ist eine Zusammenstellung von möglichst alltäglichen Gegenständen in einem ungewöhnlichen Rahmen.  Weiterlesen

Eine Selbstverwirklichungsgeschichte

selbstverwirklichung* Sie entwickelte sich zunehmend weg von ihrem Ehemann und Vater ihrer Tochter. Und so kam es schließlich zur Trennung. Sie meinte, er stehe ihrer Selbstverwirklichung im Weg. Der Vater bemühte sich sehr um sie, respektierte die Entscheidung und setze sich schließlich für ein gütliches Auseinandergehen einEr wollte seine Tochter regelmäßig sehen, wollte  das Kind nicht Opfer der Streitigkeiten und der Trennung werden lassen.

Die Frau lernte viel auf ihrem spirituellen Weg. Bald schon liebte sie die ganze Welt und alle Menschen in ihrer Umgebung – außer ihren Ex…
Osama Bin Laden, Adolf Hitler, Saddam Hussein … kurz alle Menschen inklusive der Bösewichte der Weltgeschichte: allen konnte sie verzeihen. Ihre Liebe wurde sozusagen global und umfasste den ganzen Kosmos – außer ihren Ex…

Gut, sie musste zugeben, wenn ihr jemand zu nahe kam, dann war es mit dieser allumfassenden Liebe schnell wieder vorbei. Sie war empfindlich, wenn man sie in ihrem Weg kritisierte und konterte trocken und hart. Dabei teilte sie auch ziemliche Brocken aus. Aber sonst…?
Und, zugegeben, ihre Tochter hatte anfangs gelitten unter dem vaterlosen Zustand. Aber das hat sich mit der Zeit sehr gut eingespielt. Denn die Mutter versuchte, das Bild des Vaters so zu bearbeiten, dass die Tochter ihren Papa bald vergessen konnte, alles zu deren persönlichem Schutz natürlich.

So vergingen die Jahre, und wenn der Ex auch sehr darunter litt, so rechtfertigte sie sich immer mit den gleichen Schlagworten: er verstand sie nicht, war aggressiv und ohne jede Empathie. Kurz: halt typisch männlich… Mittlerweile hatte sie gelernt, dieses Geschlecht schlicht als das anzuschauen, was es war: als Erzeuger… Sie hatte schon vor der Ehe klar kommuniziert, dass sie diese Heirat nur unter der Voraussetzung eingehen würde, dass sie ein Kind bekäme! Sie wolle unbedingt ein Kind, beteuerte sie nachhaltig und unmissverständlich. Und das hat sie dann auch bekommen. Der Mann wurde ihr immer mehr zur Last. Er war ja nie da, wenn man ihn brauchte und von Erziehung verstand er ja nun schon gar nichts! Dass diese Haltung die Partnerschaft nicht eben stärkte und die gegenseitige Wertschätzung erlosch, ergab sich bald von selbst.

Dies endete schließlich mit der Trennung und wie es in 90 Prozent all dieser Fälle halt so ist, war auch hier ganz klar der Mann schuldig am ganzen Desaster. Die Frau erhielt das Sorgerecht, der Mann die rote Karte. Er sah seine Tochter anfangs alle 14 Tage. Das tat der Tochter aber gar nicht gut, wie die Mutter meinte. Sie brauchte immer die ganze Zeit, um sich wieder vom Besuch zu erholen… worauf die Richterin schließlich eine Besuchspause von einem Jahr beschloss. In dieser Zeit erfolgte die besagte Hirnwäsche der Mutter (zum Wohl der Tochter natürlich).
Dies half tatsächlich nachhaltig, den bösen Papa zu vergessen und stigmatisierte das Männerbild der Tochter für ihr ganzes weiteres Leben. Keine ihrer eigenen Beziehungen hielt lange. Auch sie wurde eine alleinerziehende, sich selbst verwirklichende Mutter. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann lebt sie heute noch – in Frieden mit der ganzen Welt (mit Ausnahme ihres Ex)…

[wysija_form id=”1″]

* Die Geschichte ist frei erfunden. Im Bewusstsein, dass es auch ganz anders laufen kann, wurde hier auf eine nicht ganz aus der Luft gegriffene Variante aus der Sicht des Mannes aufmerksam gemacht…

Urs Weth, „Selbst-Reflexion als soziale Kernkompetenz“ – „Ursli und der Traum vom Schiff“, Kinderbuch… – „Lebendige Prozesse“, Fachbuch über Kunsttherapie…

Erkenntnis-Drama an der Schwelle

die-stille-lotusblüte-300x252Die Menschheit hat es über die Jahrtausende hinweg sehr weit gebracht. Die Entwicklung wurde in erster Linie oder sogar ausschließlich durch die Natur-Erkenntnis bestimmt. Das Eindringen in deren Gesetze, in die Tiefen der Materie war das allererste Anliegen und ist es heute noch.

Dabei hat man selbst in anderen Gebieten Konzepte entwickelt, die dem naturwissenschaftlichen Anspruch genügten. Sowohl in der menschlichen Psyche, wie auch bei paranormalen Phänomenen, ja sogar in esoterischer Forschung mit hochspirituellem Anspruch, schien man Kriterien gefunden zu haben, die diesen äußeren Gesichtspunkten genügen und sich an ihnen orientieren sollen. Man nannte dieses neue Gebiet diesem Umstand zum Trotz, die “Geisteswissenschaften”. Der Begriff trügt allerdings. Denn es war (und ist) nicht die Wissenschaft vom Geist damit gemeint, sondern bloß jene, von außen betrachtet, über den Geist. Und als “Geist” bezeichnete man allgemein jenes Gedankengut, welches sich mit immateriellen Dingen beschäftigte. Also nicht das unmittelbar selbst erlebte. Was erforscht wurde und wird, sind in erster Linie die materiellen Abdrücke von nicht materiell erklärbaren Phänomenen. Das Vorgehen der naturwissenschaftlichen Methode hat sich dabei nicht wesentlich verändert. Es wurde lediglich auf jene phänomenologische, irgendwie undefinierbare Ebene verlegt.  Weiterlesen