Kunden finden – Kunden binden

KundenbetrugKunden finden, Kunden binden!
Den Spruch predigte man wiederholt gebetsmühlenartig  monoton und suggestiv an einem Verkaufs-Seminar, an dem ich vor vielen Jahren, aus einer finanziellen Not heraus, teilnahm.
“Herbalife“ nannte sich das Verkaufsprodukt aus dem Reigen der Nahrungsergänzungsmittel. Jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin wurde ermuntert, ein Geschäft auf eigenes Risiko zu eröffnen durch Ankauf einer grösseren Menge dieser Produkte plus Anwerbung neuer Kunden. Dies mit dem Versprechen erheblicher Gewinne nach dem Verfahren eines “Schneeball-Prinzipes”.

Die Schaffung von Abhängigkeiten ist der Motor der Wirtschaft | Dazu braucht man die Werbung. Der Anschein von Individualismus ist der Lockvogel für allgemein menschliche Triebe und Schwächen, die schamlos ausgenutzt werden. Das heißt, etwas grundsätzlich Allgemeines, der (Natur-) Trieb, wird als “individuell” verkauft. Dazu gehören Lustgefühle, Unbewusstes und allerlei Wünsche. Im wirklichen Sinne Individuelles hat damit rein gar nichts zu tun. Egoismus und Individualismus verhalten sich zueinander wie bloße Lust zu einer wahren Begeisterung. Jene stützt sich auf vorgeprägte, automatisierte Muster und Verhaltensweisen, diese auf selbst geschaffene Intentionen und Impulse. Jene sind durch Werbung ansprechbar, da sie meistens unbewusst auftreten, diese nicht. Werbung hat also in erster Linie die Aufgabe, durch Lustschöpfung Kunden anzusprechen und zu finden, das heißt, neue potentielle Käufer, Abonnenten, Interessierte usw. für ein Produkt oder eine Dienstleistung zu gewinnen. Ist das gelungen, so müssen diese in einem zweiten Schritt an das Produkt oder an die Dienstleistung gebunden werden, was nichts anderes heißt, als immer neuere und raffiniertere Abhängigkeiten zu schaffen. Dies kann durch Kredite geschehen, durch Abofallen oder durch Zusatzmittel, die nur mit einem bestimmten Gerät etc. funktionieren (berühmtes Beispiel: die Druckertinte u.a.).

Auch der Staat ist nicht daran interessiert, dass Menschen wirklich unabhängig leben können. Warum eigentlich? Zählt doch die Freiheitsmaxime zu den primären, in fast jedem Grundgesetz verankerten, Rechten? Ein Haus kauft heutzutage niemand mehr in bar und zum Vollpreis. Das können sich die wenigsten Leute leisten, ebenso wenig wie viele andere Luxusgüter. Der Hauskauf besteht meistens aus einem Kredit, genannt Hypothek (das ist etwas, was unter (hypo) dem Tisch (theke) hindurch geschoben wird). Andersherum verhält es sich mit dem “Käufer”, der in Tat und Wahrheit ein Kreditnehmer (und nicht etwa ein Hausbesitzer) ist. Letzteres bleibt alleine die Bank, die damit im Idealfall eine lebenslange Abhängigkeit schafft. Ebendieser Käufer wird dann “über den Tisch” gezogen. Ähnlich verhält es sich auch mit anderen Objekten, die z.B. auf Leasing-Basis funktionieren. Wer einmal richtig durchgerechnet hat, was sein geleastes Auto, im Vergleich zur Barzahlung, kostet, und dabei die akrobatischen Rechnungsmethoden der Autoverkäufer durchschaut, der kommt ganz schön ins grübeln. Das kann gut und gerne fast das Doppelte ausmachen.

Individuelle Bedürfnisse, die einen Hauch von Freiheit vermitteln, werden in bares Geld umgewandelt. Der Betrogene fühlt sich indessen nicht als solcher, weil sein Bedürfnis zunächst gedeckt zu sein scheint. Die Werbung hat somit funktioniert, die Lust ist befriedigt (zumindest bis zum nächsten Mal). So werden massenweise Abhängigkeiten geschaffen, meistens ohne dass wir dieses Spiel durchschauen. Wir spinnen auf diese Weise ein immer größeres Netzwerk um uns herum. Dass Geld woanders als auf der Bank aufgehoben werden könnte, ist in unserer westlichen Kultur kaum mehr denkbar. – alternativ könnte es immer noch in Omas Matratze eingenäht werden. Immerhin kann man sich eine solche Strategie, trotz lästernder Kollegen, wenn vielleicht auch nicht gerade in einer Matratze, so doch zumindest im Safe, zuhause oder anderswo und ohne unnötige Buhrufe, ernsthaft überlegen! Sind doch die Dienstleistungs-Kosten, die man auf den Banken tätigt, oft höher als das bisschen, immer näher gegen Null hin tendierender, Zinses, das man am Ende des Jahres dafür bekommt. Aber kein Bankkonto zu haben ist in einigen Ländern sogar strafbar. Ja warum wohl? Weil eine andere Abhängigkeit dahinter lauert, die Steuern!
Die nicht kontrollierbaren Gelder oder Werte gehören zu den empfindlichsten Stellen im Fokus des “Väterchens“ Staat. Nicht dass ich hier ein Loblied auf die Steuerhinterziehung anstimmen möchte. Das muss jeder mit seinem eigenen Moralempfinden ausmachen. Aber wenn man den kleinen noch dasjenige nehmen will, was er/sie NICHT haben, dann kommen mir berechtigte Zweifel am System.

Kunden binden ist jedenfalls nicht das höchste Prinzip menschlicher Moral. Dass die “freie Marktwirtschaft” in diesem Kontext mit Freiheit wenig zu tun hat, scheint nun klar zu sein. Denn die Freiheit “Tun und Lassen zu können” hängt immer auch am dafür zur Verfügung stehenden Budget. Dieses bestimmt den Marktwert und somit die Marktkraft. Und wo diese am grössten ist, entsteht ein Machtgefälle von reich nach arm. Die so definierte “Freiheit” ist ein Betrug und noch mehr eine Illusion, weil sie dem kleinen Mann, (der kleinen Frau) vorgaukelt, dass es in seiner/ihrer Hand liege, das Spiel mitzuspielen. Indessen sind dafür die Karten schlecht verteilt (oder gar gezinkt). Suche man also die wirkliche Freiheit lieber woanders… und hüte sich vor dem eigentlichen Stolperstein, dem eigenen Ego.

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Urs Weth, „Selbst-Reflexion als soziale Kernkompetenz“ – „Ursli und der Traum vom Schiff“, Kinderbuch… – „Lebendige Prozesse“, Fachbuch über Kunsttherapie… und jetzt neu auch eines über Anthroposophie… Glaube oder Wissenschaft? und über Kunst – ein kreatives Thema… und noch ein Kunstbuch mit dem Titel: Form-Lust

Ein Kommentar bei „Kunden finden – Kunden binden“

  1. Kundenbindung ist nur in bestimmten Fällen richtig. Bei Geldgeschäften, egal ob Kredite oder sonstiges sollte man sich gut überlegen, ob dies Sinn macht oder nicht! Ein Kredit bedarf gewissen Sicherheiten und diese können nur mit Kundenbindung erfolgen. Ein Privatkredit ist genau ein solcher Credit. Ein Kleinkredit zählt oftmals zu einem online Kredit, welcher besonders günstige Konditionen aufweist. Solche findet man einfach und schnell im Kreditvergleich von einem Kreditrechner.

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