Die 7 Abhängigkeiten

OLYMPUS DIGITAL CAMERA1. Teil | Einleitende Gedanken

Wir reden gern und oft von Freiheit und Unabhängigkeit. Jeder Mensch stellt diese Dinge meist zu oberst auf die Prioritätenliste, wenn es darum geht, die wichtigsten Eigenschaften im Leben aufzuzählen. Dabei vergessen oder verdrängen wir oft, wie komplex und verstrickt ein Menschenleben in der heutigen Zeit geworden ist. Kaum ist man auf dieser Welt angekommen, geht es los…

Wie viele Formulare, Einträge, Bestätigungen, Hinweise, Empfehlungen, Ratschläge, Vorschriften usw. sind zu beachten, damit man sich korrekt in die Gesellschaft einbindet! Galten vor 100 Jahren noch verhältnismäßig harmlose Bedingungen, so herrschen heutzutage schon fast bedrückende Verhältnisse. Die Freiheit, die wir meinen, findet auf einem kleinen Feld von Illusionen statt. Es ist die Freiheit, sich vermeintlich hinbewegen zu können, wo man will (wären da nicht die vielen vorgegebenen Termine und Verpflichtungen und sonstige Hürden). Oder es ist die Freiheit, zu kaufen, was man will (ohne in Betracht zu ziehen, wer einem die Wünsche diesbezüglich einflösst: Stichwort Werbung). Weitere (wohl illusionsbeladene) Freiheiten sind die freie Wahl des Wohnortes, des Partners, des Berufs usw. Dabei beachtet man zu wenig, wie viele entscheidungsrelevante Faktoren Einfluss nehmen.

In den folgenden zwei bis drei Beiträgen möchte ich vertieft auf diese Thematik eingehen. Die Gliederung der „7 Abhängigkeiten“ folgt der Logik physisch – psychologisch und geistig, also sozusagen „von unten“ betrachtet. Das Ende mag etwas überraschend sein. Lassen Sie sich überraschen!

Aus dieser Perspektive heraus, sollen hier vorerst einige Merkmale von physichen Abhängigkeiten betrachtet werden. Wir integrieren sie fast automatisch in unser Leben. Es sind Eigenschaften und Bereiche, die wesentlichen Einfluss darauf nehmen, wie wir Entscheidungen treffen, Wünsche erfüllen und Situationen meistern.

Physische Abhängigkeiten

Zunächst sind wir natürlich eingebunden in einen Reigen von Abhängigkeiten wirtschaftlicher Natur. Als vor vielen Hunderten von Jahren nach und nach immer komplexere Systeme des Umgangs mit Geld und Werten geschaffen wurden, begannen damit auch Regelwerke zu wachsen, die diese Abhängigkeit anschwellen ließen. Der Tausch von Waren zeigte sich nicht als das probate Mittel für einen reibungslosen Verkehr zwischen Gütern, die ja einen Gegenwert einforderten. So begann man mit kreativen Ideen den Umgang für diese Gegenwerte zu erforschen. Der Schuldschein entstand. Eine Art Deckung für die gekaufte Ware, die man weiter verwenden konnte. Leider war es ein übles Geschäft mit vielen betrügerischen Absichten geworden (…und ist es auch heute noch). So wurde der Egoismus des Einzelnen gegenüber der Gemeinschaft, der zuweilen in kriminellen Energien ausartete, wohl zum grössten Feind für die Funktionstüchtigkeit solcher Gegenwerte. Klar, der Schuldschein konnte relativ leicht gefälscht werden. Die Schaffung neuer Formen der Deckung entstanden immer aus dem Umstand heraus, dass irgend jemand nicht vertrauensvoll mit den gegebenen Mitteln umging. Die Münzprägung war eine weitere Möglichkeit, der Fälschbarkeit entgegen zu wirken. Zudem behielten die Metalle, vornehmlich Gold und Silber, einen Eigenwert, der schon deshalb als sicherer Wert galt. Und noch bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts war unser Papiergeld mit Gold gedeckt gewesen. Danach verschwand auch dieser Anker einer vermeintlichen Sicherheit. Die Münzen jedoch waren schwer und die Angst vor dem Raub schreckte die Menschen zurück, grössere Mengen davon bei sich zu tragen. Letztlich gab es auch clevere Goldschmiede, die fortan statt Schmuck Münzen herstellen konnten und diese gegen Zinsen dem Volk verkauften. Es begannen, jetzt sehr vereinfacht dargestellt, Kreisläufe der Geldvermehrung, weil sich allein das Verwalten plötzlich lohnte. Die „Goldschmiedeateliers“ wurden zu Münzbanken und das System wurde komplexer und komplexer. Wir kennen das alle. Die Märkte erstarrten immer mehr in engen Korsetts von Gesetzen und Vorschriften, die es zu beachten galt. Und darin eingebettet die gesellschaftlichen Strukturen der Konsumenten. In diese sind wir heute so stark eingebunden, dass fast jede Bemühung um mehr Freiheit zum Vornherein scheitern muss. Dazu kam eine starke Zentralisierung der Verwaltung und Macht solcher Strukturen, die den Fesseln den Rest gaben…

Neben der wirtschaftlichen Abhängigkeit steht, vom materiellen Standpunkt aus betrachtet, wohl diejenige vom Gesetzesgeber (Abhängigkeit von staatlichen Faktoren), an zweiter Stelle. Die Einbindung in ein verzwicktes Geflecht von Vorschriften und Geboten steht dem künftigen Staatsbürger schon nach, oder sogar vor seinem ersten Atemzug zur Verfügung. Alles wird erfasst und verortet, registriert und beurkundet. Eigentlich könnte es dem Staat ja egal sein wann und wo – und wie viele – Bürger in seinem Territorium geboren werden und wie viele sterben. Eigentlich… Wäre da nicht diese Steuer. Das Geld, welches jeder Bewohner seiner Regierung abzuliefern hat. Dieses Geld steht allen Dingen und Einrichtungen zur Verfügung, die der Staat im Dienste seiner Bürger tätigt. Dies erfordert Arbeitsplätze, Immobilien und Werkzeuge aller Art, die bezahlt werden müssen. Damit nun niemand dieser Pflicht der Teilnahme zum „gemeinsamen Wohl“ entkommt, muss er /sie erfasst werden. Und nicht nur dies. Es müssen klare Kenntnisse der Einnahmen und Ausgaben jedes Bürgers bekannt sein, und dies wiederum nur um zu verhindern, dass Betrug möglich ist. Auch hier also wieder die bekannte Vertrauensfrage. Auch scheinbar „verdeckte“ Beurkundungen wie die Erfassung bei der Heirat, beim Wohnort Wechsel, neuen Arbeitsplätzen, Geburten und Todesurkunden etc., haben letztlich keinen anderen Zweck, als die monetären Verhältnisse des Einwohners klar zu legen. Sämtliche Handlungen haben auch hier in erster Linie mit Geld zu tun. So steht hier ebenfalls die Freiheit des Bürgers nur allzu dünn hinter einem dicken Vorhang von Gesetzen (oder auf dünnem Eis, wie man lieber will…) , denen er sich nicht entziehen kann. Man hätte sich im Verlauf der Jahrhunderte doch sicher auch eine andere Entwicklung vorstellen können. So hätte jeder Erdenbürger (Weltenbürger) selbstbestimmend das Recht erhalten können, sich sein Leben so einzurichten, dass es auf seine persönlichen Bedürfnisse angepasst ist. Es gäbe dann keine sogenannten „öffentlichen“ Dienste, Bauten, Strassen, Bahnen, Plätze etc. Wie anders würde das Leben ausgesehen haben, wenn sich die Menschen, ähnlich den meisten Tierarten, so organisiert hätte. Selbstverständlich würden damit öffentliche Bedürfnisse dennoch auftreten. Sie könnten aber schon von Anfang an anders geregelt worden sein. Mit privatem Geld, privater Initiative oder durch Zuzahlung für deren Benutzung. Das System der Besteuerung jedes Einzelnen kennt kaum private, persönliche Interessen. Ob eine Strasse gebaut werden soll oder nicht, wird vielerorts nicht einmal vom Bürger entschieden. Nutzen oder Unnutzen von sogenannten öffentlichen Bedürfnissen könnten unterschiedlicher nicht sein. Was manche für lebensnotwendig halten, brauchen andere gar nicht (Fernseher, Internet, Auto, Einfamilienhaus, Handy usw.). Das Ganze ist sicher ein interessanter Gedanke, der schon deshalb alleine ein Buch füllen würde, weil er die Entwicklung der Menschheit nachhaltig beeinflusst und verändert hätte. Das alles hier auszubreiten macht jetzt keinen Sinn. Auf jeden Fall kann man sich fragen, was besser oder schlechter gewesen wäre… einmal eingebunden in ein System ist eine Wende aus Trägheitsgründen nur schwer zu bewerkstelligen. Die Dinge fahren sich halt immer fest und schaffen sich selbst immer neue Barrieren.

Abhängigkeit vom Gesundheitssystem: Auch hier fand in den letzten 100 bis 200 Jahren ein großer Wandel statt. Vor allem die Pharmaindustrie gewann im Bereich der Medizin an Boden. Auch diese Entwicklung könnte bestimmt hinterfragt werden. Immer wieder tauchen „neue“ Krankheiten auf, weil die diagnostischen Methoden so differenziert worden sind, dass bislang unter einem Oberbegriff gehandelte Erscheinungen, wieder unterteilt und in neue Krankheitsbilder modifiziert werden. Wir erleben dies immer häufiger mit sogenannten „neuen“ Krankheitserregern, die wohl nicht neu sind, aber deren Entdeckung und Ortung neue medizinische Eingriffe erfordern usw. Für die Produzenten von Medikamenten ist dies ein durchaus lukratives Geschäft, vor allem dann, wenn sie als Erste auf solche Neuentdeckungen im Markt reagieren. Im neuesten Fall von „Ebola“ sind bereits wieder alle Medien darauf fokussiert, die chemischen Heilbringer in Position zu bringen. Entsprechende Preise können für solche Pillchen dann auch verlangt werden. Dies ist die eine Schiene welche unser Gesundheitssystem sehr stark beeinflusst. Eine andere ist die technologische Entwicklung, die Medizinaltechnologie. Wie bereits erwähnt, bringen sie viel höhere Qualität in der Diagnostik, aber auch bei operativen Eingriffen und anderen therapeutischen Verfahren. Allerdings gilt auch hier wie bei allen anderen Abhängigkeiten: Die Bindung an die Strukturen ist enorm und der Preis für diese Medizin ebenfalls. Die Kosten dafür steigern sich von Jahr zu Jahr in Milliardenhöhe, immer mehr wird möglich, aber auch immer mehr wird gemacht! Und dennoch scheint die Menschheit nicht gesünder zu werden! Oder gibt es eine Statistik dafür? Denn wo kann nicht irgendetwas gefunden werden? Diese präzisen Gerätschaften entdecken und registrieren alles; ob es gefährlich wird oder nicht, ist ein oftmals heikler und schwieriger Entscheid, und in der Not tut man natürlich immer lieber etwas zuviel als etwas etwas zuwenig! Auch hier kann man sich fragen, was wäre, wenn diese Entwicklung nicht so stattgefunden hätte. Wenn die Weichen vor einigen Jahrhunderten in spirituellere Bahnen gelenkt worden wären? Immerhin hatten die Chinesen vor 3000 Jahren schon, und haben es noch, mit ihren uralten (und günstigen) Heilmethoden durchaus großen Erfolg. Wer heutzutage krank wird, kommt kaum mehr umhin, das „Gesamtpaket moderne Medizin“ in Anspruch zu nehmen. Allein schon deswegen, weil sogenannte „nicht evidenzbasierte Therapieformen“ immer mehr aus der Grundversicherung und sogar aus den Zusatzversicherungen der Krankenkassen hinauskatapultiert werden. Angeblich um Kosten zu sparen! Indessen machen diese Therapieformen nur einen winzig kleinen Teil der Gesamtkosten (Grössnordnung 0,5 – 1 %) aus. Also könnte es, ketzerisch gefragt, sein, dass da gewisse Leute Angst davor haben, dass die „alten Methoden“ wieder (zu) populär werden?

Fortsetzung: Die drei psychologischen Abhängigkeiten demnächst auf diesem Blog!

Urs Weth, „Selbst-Reflexion als soziale Kernkompetenz“ – „Ursli und der Traum vom Schiff“, Kinderbuch… – „Lebendige Prozesse“, Fachbuch über Kunsttherapie… und jetzt neu auch eines über Anthroposophie… Glaube oder Wissenschaft? und über Kunst – ein kreatives Thema… und noch ein Kunstbuch mit dem Titel: Form-Lust