Die Kunst der Kunst

Gross, laut, grell, spektakulär, gigantisch. Alles Attribute, die gegenwärtig zum Renommee eines Künstlers von Rang und Namen gehören. Nix von leise, still, bescheiden, klein oder intim. Die Beschaulichkeit des Berührtseins, das geheimnisvolle Etwas stehen hinter dem Effektvollen, Sensationslüsternen, gigantischen. Die leisen Töne fehlen. Wenn sie da sind, verschwinden sie hinter dem grossen scheppernden Klang der Kunstwelt. Sie geben sich bescheiden, fast schon anmassend bescheiden, die kleinen Künstler, die „nur“ aus Begeisterung und der reinen Freude am Tun arbeiten. Sie können nicht leben von dem was sie schaffen. Sie verbringen unendliche Stunden in ihrem stillen Kämmerlein, am Feierabend, in freien Stunden.

Mona Lisa hätte heute kaum mehr eine Chance in die Ränge zu kommen. Leonardo arbeitete fast ein ganzes Leben an ihr, immer wieder, nahm sie überall mit, wohin er auch ging. Strich mal da, mal dort sanft über die Wangen und ließ es auf sich beruhen. Dies tat er bis fast an sein Lebensende. Kurz vor seinem Tode zeigte er sie erstmals hohen Kirchenvätern und bezauberte diese. Sie war noch nicht vollendet und würde es auch nie sein…

So etwas heute? Die lauten Töne brauchen zu viel Rauch und haben wenig Feuer. Dafür umso mehr Klugheit, Intelligenz, oder besser Schlauheit. Es ist die Schlauheit des Händlers, der genau weiß, was für die Masse taugt. Bescheiden geben sie sich jedenfalls schon lange nicht mehr. Das stille Kämmerlein wird mit grossen Fabrikhallen getauscht. Der Pinsel mit Schweissapparaten und Baumfällerwerkzeug. Wer die anderen übertönt, hat schon gewonnen. Wer die beste Werbekampagne macht, geht als Sieger davon. Eine gute Idee genügt. Was geht über die Idee hinaus? Was schafft den Mehrwert – in uns?

Darüber streiten sich seit Jahrzehnten die Kunstkritiker. Sie raufen sich die Haare und jeder findet ebenso gute Argumente dafür, wie dagegen. Alles kann unter diesem Aspekt ebenso gut Kunst sein, wie es Nichtkunst sein kann… es kommt auf die Argumente an…