Weihnächtliche Spitzfindigkeiten

drudenfussJesus war kein Christ, sondern Jude, soviel ist gewiss. Nur vergessen das viele. Die Art und Weise wie er gewirkt hat, mag man „christlich“ nennen. Doch den Begriff „Christentum“ gab es zu seiner Zeit noch nicht! Wie alle …ismen, alle …tums, so ist auch das „Christentum“ eine aus der Nachwelt (eines durchaus grossen Impulses…) geschaffene Lehre.

Durch den zeitlichen Abstand verändern sich zudem die überlieferten Inhalte massiv. Je mehr die Zeit vergeht, desto komplexer wird jede „Lehre“. Sie wird zur „Lehrmeinung“, zum Dogma und der Zauber der einst darin lag, erlischt schnell. Die „Begründung“ eines Impulses wird mit der Zeit wichtiger als das einstige Erleben desselben. So ist es immer, wenn etwas Entscheidendes auf der Welt passiert. Es geschieht selten (ich behaupte sogar niemals) irgendetwas wirklich Nachhaltiges aus einem konstruierten oder ausgedachten Wissen, sondern immer nur aus unmittelbar Erlebtem, quasi aus der Quelle selbst geschöpfter Tat. Seien es wichtige Ereignisse, wichtige Erfindungen, wichtige Impulse, wichtige Wendungen: Immer sind es kleine oder grössere Wunder, die sich in der Welt manifestieren und etwas, wie aus dem Nichts – oder fast wie zufällig – in Bewegung setzen.

Dies gilt durchaus für alle oder doch zumindest für die meisten Religionen und deren grosse Führer, mögen sie Buddha, Krishna, Zarathustra, Moses oder Jesus oder anders heissen. Sie alle schöpften aus der „Quelle“ selbst, aus dem Lebendigen und Unmittelbaren. Es sind nicht nur blosse Ideen von Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Nächstenliebe und so weiter, die daraus hervorgingen. Es ist mehr. Es ist ein geistiger Schöpfungsprozess.

Ein starkes Zeichen für den Verlust unmittelbaren Erlebens  ist der „Weihnachtsstern“. Schaut man auf das Bild oben, so sind Zweifel an einem spirituellen (und damit unmittelbaren) Zusammenhang dieses Symbols mit dem Inhalt berechtigt. Man fragt sich dann ernsthaft, was viele dieser „Christen“ eigentlich noch mit dem Weihnachtsfest verbindet (ausser dem üblichen Rummel in den Kaufhäusern). Die meisten hängen heutzutage diesen Stern nämlich verkehrt herum auf (als „Drudenfuss“!). So sieht er eher aus wie eine zur Erde stürzende Rakete… So auf der Spitze stehend, sieht er aber auch aus wie ein umgedrehter Mensch. Man denke etwa an die Symbolik dieses Sterns im Sinne Lionardo de Vincis (siehe Bild).

davinciDer eine, obere Zacken symbolisiert den Kopf des aufrechten Menschen. Dort sammeln sich gemäss seiner erlebten (christlichen) Praxis die Kräfte in der Einheit (im Denken und Erkennen nämlich: also im Bewusstsein). Sie schaffen den Zusammenhang des Menschen mit dem „Himmel“, oder dem „göttlichen“. Die Zweiteilung unten entspricht den beiden Beinen, die fest und stabil auf dem Boden stehen, um durch Bewegung die Welt zu begreifen und den festen „Standpunkt“ zu gewinnen! Sie schaffen so die Grundlage für Kräfte, um „oben“ – im Bewusstsein – frei zu werden. Ebenso dienen die ausgebreiteten Arme dazu, ein Gleichgewicht zwischen oben und unten, links und rechts, vorne und hinten zu schaffen und sich in der Mitte (ausgleichend) auszubalancieren.

Der umgedrehte Stern (Drudenfuss) stellt dementgegen den Menschen mit dem Kopf nach unten und den Beinen nach oben dar. Es zeigt uns sozusagen den „gefallenen Engel“, der auch oft Satan, Daimon, Bahomed oder Luzifer zugeordnet wird. Zudem stellt er eine sehr passable Grundlage für dessen Kopf dar… (siehe Bild)

dämonKurz, er ist zweifellos ein dämonisches Symbol.
Was (zum Teufel), so kann man sich fragen, hat dies noch mit dem christlichen Urimpuls zu tun? Nicht nur nichts, sondern das Gegenteil! Das Bewusstsein darum war noch vor einigen Jahrzehnten, zumindest latent, vorhanden. Man fühlte sozusagen die Unstimmigkeit. Der umgedrehte Stern ist in den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten Usus geworden und hat sich etabliert. So wie vieles andere auch… Wer (zum Teufel) hat es bewirkt, dass heute fast die Hälfte aller „Weihnachststerne“, verkehrt herum aufgehängt werden und sogar industriell so angefertigt werden (siehe Aufhängevorrichtung), dass dies nur mit Mühe andersherum möglich wäre…

Ist also der wirkliche, spirituelle Faden mit Weihnachten und allgemein mit dem Christentum oder noch besser mit der Quelle des Seins, gerissen? Oder sind Kräfte am Werk, Geister, die wir rufen (riefen), die uns vom Kern einer inneren Entwicklung abziehen wollen? Quasi durch die Hintertüre, abseits unseres vollen Bewusstseins? Ich stelle es gerne als Frage in den Raum, im Bewusstsein, dass so mancher nur ein müdes Lächeln für solche „Spitz“-findigkeiten (im Stern), übrig haben kann.

Ohne jetzt irgendwelche Verschwörungstheorien anzuzetteln oder irgend jemanden von irgend etwas überzeugen zu wollen, ist die Frage, was sich alles in unser Unterbewusstsein einschleichen kann, berechtigt, so meine ich. Wir kennen unsere eigenen, inneren „Dämonen“  am besten… (im Prinzip zumindest, wenn wir genügend Selbstbeobachtungsgabe haben)! Wir wissen, was wir wirklich wollen und was wir nicht wollen. Jede innere Entwicklung verlangt ein gesundes Mass an Eigenwahrnehmung. Das heisst zugleich, Impulse wahrzunehmen, die aus den Tiefen unseres Bewusstsein kommen. Und dabei die Intentionen dieser Impulse zu durchschauen. Nicht immer sind diese „Kräfte“, die an unserer Vernunft zerren, einfach durchschaubar. In diesem Sinne können Sie diese Sterngeschichte gerne als Synonym für solche Prozesse auffassen…

Frohe Weihnachten !

Urs Weth, „Selbst-Reflexion als soziale Kernkompetenz“ – „Ursli und der Traum vom Schiff“, Kinderbuch… – „Lebendige Prozesse“, Fachbuch über Kunsttherapie… und jetzt neu auch eines über Anthroposophie… Glaube oder Wissenschaft? und über Kunst – ein kreatives Thema… und noch ein Kunstbuch mit dem Titel: Form-Lust