Was kostet Ihr Ego?

GeldWaren Sie auch schon in einem Kaufhaus und suchten krampfhaft nach irgendeinem Gegenstand, der Ihre Kauflust anturnen sollte?
Unsere Bedürfnisse haben eine relativ hinderliche Persönlichkeits-Komponente, genannt das Ego. Wir neigen dazu, uns Dinge zu leisten, die wir uns eigentlich gar nicht leisten können. Oder wir können sie uns zwar leisten, aber sind in einem Zwiespalt zwischen Begehren und Verzichten gefangen. Oft siegt das erstere und ein schlechtes Gewissen folgt, weil es doch nicht genau das bringt, was wir uns von dem Ding, was es auch sei, erhofft haben.

So ähnlich läuft es manchmal auch in Beziehungen, wenn uns der Partner nicht das bringt, was wir uns von ihm erhofft oder erwartet haben. Wir fühlen uns betrogen und schieben nur zu gerne dem Anderen die Schuld in die Schuhe. Dinge, Gegenstände, Leistungen, Menschen: sie alle müssen unserem Ego den Wert bringen, den wir uns vorstellen. Hier spielt die Werbung vorzüglich und mit feinster psychologischer Raffinesse mit uns, weil sie gerne Tatsachen vortäuscht, einen Schein oder Glanz vortäuscht, welcher nicht wirklich zu erfüllen ist. Ohne das Ego hätte die Werbung nullchance. “Trinken Sie etwa noch nicht Nespresso wie George Clooney?” Oder: “Auch Roger Federer tut es…” usw.; was auch immer es sei, es muss gut sein, wenn die es tun…

Der äussere Schein oder Glanz der Welt verführt uns zu immer neuen und wiederkehrenden Fehlhandlung. Scheinbar ist die Komponente Ego eine höchst kluge Fehlkonstruktion der eigenen Persönlichkeit mit stets schlagkräftigen Argumenten. Auf dieselben Tricks fallen wir noch und noch herein. Von Lernfähigkeit ist da leidlich wenig zu spüren.

Die zwei angesprochenen Teilpersönlichkeiten in uns selbst, die offensichtlich miteinander im Widerstreit sind, kennt jeder zur Genüge: “Eigentlich ist es ja nicht vernünftig dies oder jenes zu tun…”, sagen wir oft, “aber ich kann mich einfach nicht zurückhalten”. Ein inneres Etwas streitet ständig mit seinem Kontrahenten, der Vernunft, oder wie wir es nennen wollen. Woher auch immer die beiden kommen und wie wir sie auch benennen, wir erkennen sie. Sie sind zweifellos vorhanden und lauern stets aufs Neue im Hintergrund auf.

So wird die Welt gefüllt mit Millionen, ja Milliarden von Egos, die eigentlich nicht kaufen, handeln oder tun sollten, was sie aber dennoch tun, stets und immer wieder, obwohl sie eigentlich nicht so recht wollen. Ein Kostenfaktor mit weitreichenden finanziellen Folgen. Gemäss dem anderen Teil Ihrer Selbst läppert sich da einiges zusammen im Laufe Ihres Lebens! Gewiss benennen wir es kaum als sinnlose Investition. Wir, als Ego angesprochen, finden immer gute und lohnende Argumente der Rechtfertigung. Und wenn irgendwo in stillen Momenten dennoch ein kleines Fragezeichen am Horizont des ewigen Seins erscheint, so haben wir stets irgendetwas zur Hand, was solch dumme Zweifel oder dämliche Fragen, verdrängt. Ein mühsamer, höchst ineffizienter Kreislauf des Lebens wiederholt sich. Kein Wunder wird die Welt nicht besser…

Urs Weth, „Selbst-Reflexion als soziale Kernkompetenz“ – „Ursli und der Traum vom Schiff“, Kinderbuch… – „Lebendige Prozesse“, Fachbuch über Kunsttherapie… und jetzt neu auch eines über Anthroposophie… Glaube oder Wissenschaft?